Projekt -Blog zum neuen "Place To Be" der Internetszene Hamburgs.

40 Jahre Spiegel auf der Insel

Der Spiegel-Verlag ist dieses Jahr aus seinem alten Gebäude an der Brandstwiete 19 ausgezogen. Neben dem ursprünglichen Spiegel-Gebäude gehört auch das ehemalige IBM-Gebäude zu dem als Spiegel-Insel bekannten Gebäudeensemble zwischen Brandstwiete, Willy-Brandt-Straße und Dovenfleet. Der dänische Designer Verner Panton machte das Innenleben des Spiegelgebäudes 1969 zu einem farbigen Bilderrausch und echtem Hingucker. Nach und nach wurde das farbenfrohe Design in ein „normales“ Design umgestaltet. Die Kantine blieb bis zu letzt im stylischen Design der 60/70er Jahre erhalten. Mit dem Auszg des Spiegelverlags wird die hippe Kantine in das Museum für Architektur umziehen.

Mit dem Abschluss des Umzugs steht das gesamte Areal vorerst leer. Der neue Eigentümer und die Stadt Hamburg haben 2009 das Projekt für die Sanierung und Revitalisierung der Spiegel-Insel ausgeschrieben. Dieses Jahr sollte es nun eigentlich losgehen, nur sstehen zur Zeit alle Räder still. Das Projekt wurde gestoppt.

Neben der Sanierung der aktuell vorhandenen 19.700 qm Gewerbefläche, stand die zusätzliche Verdichtung mit dem Ausbau von 20.000 qm zusätzlicher Gewerbefläche und Wohnfläche auf dem Plan.

Die Realisierung von Wohnraum wäre in der Tat wünschenswert für Hamburg, ist aber an dieser Stelle auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens nur mit sehr hohen Investitionen umsetzbar, sodass der notwendige Mietpreis nicht erzielbar wäre.

Das Gebäudeensemble steht unter Denkmalschutz. Alle Gebäude sind sanierungsbedürftig.
Das ursprünglich für IBM gebaute Gebäude auf der Ostseite der Insel ist einer Hollerith-Lochkarte nachempfunden, ein
Speichermedium aus den Anfängen der Computer.

 

1886 – 1967 – 2011
Die Zeitreise der Insel

Die Internet-Insel wird auf geschichtsträchtigem Boden entstehen. Wahrscheinlich wissen nur die Wenigsten, dass auf der Ecke Brandstwiete/Dovenfleet das erste Kontorhaus der Stadt gebaut wurde. Im Jahre 1886 wurde der Dovenhof gebaut, benannt nach seiner Lage am Dovenfleet.

Heinrich Freiherr von Ohlendorf war der Bauherr des Projekts und beauftragte damals Martin Haller als Architekten. Dieser Herr könnte einigen bekannt sein, da er neben der Laeiszhalle und dem HAPAG Gebäude an der Binnenalster, auch das Hamburger Rathaus gestaltete.

Mit dem Bau dieses Hauses veränderte sich die Geschäftswelt grundlegend. Das Kontorhaus Dovenhof war das erste Haus, welches nur zum Arbeiten gedacht war. Vorher war es üblich in ein und demselben Haus zu wohnen und zu arbeiten. Der Dovenhof hingegen war ein Bürogebäude, welches 60 Firmen beherbergte. Jede Firma hatte einen eigenen Büroraum, welcher von den Fluren abging. Da sich die Speicherstadt zu der Zeit noch im Bau befand, gab es im Dovenhof auch noch einige Lager. Daneben hatte der Dovenhof einen Keller, welcher für den Hausmeister war, und verfügte ebenfalls über zwei Restaurants, ein eigenes Postamt, Rohrpostanlagen und den ersten Paternoster des europäischen Kontinents. Das Haus war eine Erneuerung der gesamten Hamburger Kaufmannsszene. Neben einer Dampfheizung, elektrischer Beleuchtung, Warenaufzügen und elektrischen Winden zeigte der Dovenhof noch einen interessanten Aspekt: die Heizungskosten wurden quadratmetergenau abgerechnet. Alle Nebenkosten für die oben genannten Punkte wurden auf die Miete umgeschlagen, die Mieter zahlten quasi eine Warm-Miete für den Dovenhof. Je nach Lage und Ausstattung wurden die Mietraten berechnet. Die Kontore in den unteren Geschossen waren teurer, während die Büros in den oberen Stockwerken und die mit Sicht in den Innenhof günstiger waren. Damals wurden in dem Dovenhof Kontorhaus 9.000m² vermietet.

Leider steht der Dovenhof nicht mehr. Im zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude nahezu unversehrt, aber der Abrissbirne hielt das Kontorhaus leider nicht stand. Im Zuge der Baumaßnahmen an der Ost-West-Straße wurde das Haus abgerissen. Das Denkmalschutzamt widersprach dem damals nicht und das als nicht zeitgemäß geltende Gebäude musste kurzerhand dem Spiegel Gebäude weichen. Richtig, hier schließt sich der Kreis. 125 Jahre nach Eröffnung des Dovenhofs ist nun die Idee der neuen Internet-Insel in Hamburg geboren worden. 125 Jahre hat es gedauert, bis eine neue Art des Kontorhauses an dieser Straßenecke entstehen kann.

Dovenhof und IBM-Gebäude
Quelle: http://quartier-magazin.com/quartier09/vor-dem-spiegel

Postamt weicht Internet, Rohrpostanlage weicht E-Mails, Paternoster weicht elektrischen Aufzügen, Dampfheizung weicht Air Conditioning, Restaurants weichen Ladenzeilen, Dovenhof weicht Spiegel Gebäude. Geschichte verpflichtet; es gab an der Ecke Brandstwiete/Dovenhof bereits ein Kontorhaus, jetzt ist es an der Zeit wieder ein Kontorhaus an diese Stelle zu setzen. Das Spiegel Gebäude steht noch, das alte IBM Gebäude, welches noch zu Zeiten des Dovenhofs gebaut wurde, ist ebenfalls vorhanden, die neue Art der Hamburger Kaufmänner ist bereit in die Fussstapfen von Heinrich Freiherr von Ohlendorf zu steigen.

Die Art der Kaufleute mag sich in den letzten 125 Jahren geändert haben, aber im Grunde genommen verfolgen sie alle das gleiche Ziel. Ein Bürogebäude musste her, in dem zusammen gearbeitet, gedacht und entwickelt werden konnte. Die Internet-Insel wird den Gedanken des Dovenhofs wieder aufleben lassen. Wo damals gerade die ersten Telefone installiert wurden, wird die nächste Generation nun mit Laptops und Handys in das Kontorhaus einziehen. Das Gebäude und die Umwelt mögen sich verändert haben, aber der Gedanke ist immer noch der Gleiche.

Quellen:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article1446225/Der-Dovenhof-setzte-Massstaebe.html
http://www.kontorhausviertel.com/dwfuploads/khjournal_01_10.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Kontorhaus_Dovenhof
http://de.wikipedia.org/wiki/Brandstwiete
http://quartier-magazin.com/quartier09/vor-dem-spiegel
http://www.marcopolo.de/europa/deutschland/hamburg/Stadtspaziergaenge_2.html
http://dumno.com/deutsch/Paternoster_deutsch/deutsch_paternoster_dovenhof.htm
http://doris-brandt.suite101.de/bonzenheber-proletenbagger-und-edgar-wallace–eine-fuehrung-durc-a74599