Projekt -Blog zum neuen "Place To Be" der Internetszene Hamburgs.

Internet Hotspot in Horn, Rothenburgsort oder Wilhelmsburg?

Erster Bürgermeister Scholz hält Rede zum Jubiläum von Hamburg@work

Beim gestrigen Empfang im Rathaus zum 15-jährigen Bestehen von Hamburg@work stand die grundsätzliche Frage im Raum: Ist Hamburg auf der richtigen Spur beim Standortwettbewerb in der digitalen Wirtschaft?

Neben interessanten Gesprächen sind vor allem die folgenden drei Punkte hängen geblieben:

  • Wir brauchen schnellere Zugverbindungen zwischen Hamburg und Berlin (XING CEO Stefan Groß-Selbeck)
  • Das Geld muss lockerer sitzen, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können (Heiko Hubertz, Gründer Bigpoint)
  • Horn, Rothenburgsort und Wilhelmsburg bieten die benötigte Bandbreite von Betahaus bis Büroturm. Begründung: „Die digitale Szene sitzt in London ja auch nicht im West End, sondern in Shoreditch ein ganzes Stück nach Osten raus in einem alten Industrieviertel.“ (Erster Bürgermeister Olaf Scholz)

Sind das wirklich die Dinge, die Hamburg nach vorne bringen?

Die vielen Millionen, die eine optimierte Verbindung nach Berlin kosten würde, sind wohl direkt in Hamburg als Investition deutlich besser angelegt.

Dass das Risikokapital in Deutschland deutlich weniger locker sitzt als in den USA ist richtig, aber das ist kein spezifisches Problem für Hamburg sondern ein nationales oder europäisches Problem.

Der Vergleich zwischen Hamburg und Berlin ist genauso sinnlos, wie der Vergleich zwischen Hamburg und London. Berlin hat nicht das eine Zentrum sondern gleich mehrere Zentren, damit wird es auch nicht einen einzelnen Hotspot für Internetunternehmen geben sondern gleich mehrere. London ist beim Mietzins fernab jeglicher Realität. Eine Ansiedlung im Stadtzentrum ist gar nicht denkbar.

Aber was sind denn dann die Gemeinsamkeiten? Richtig, die Clusterbildung!
Wenn man also die kurzen Hamburger Wege und die Zusammenarbeit forcieren möchte, dann muss man sich über den Standort eines Clusters besondere Gedanken machen. Günstiger Raum ist in der City Nord en Mass vorhanden – aber da will niemand hin…  Einige Cluster haben sich bereits gebildet. Rund um den Gänsemarkt und den Rödingsmarkt sind einige interessante Unternehmen, aber auch am Fischmarkt. Ob Stadtteile wie Wilhelmsburg die richtigen Orte für Internethubs sind, wage ich zu bezweifeln – die Leute wollen da sein, wo man auch noch nach 20:00 Uhr andere Menschen trifft.

Die Internet-Insel ist sicherlich auch nicht die 100% Lösung (die wird es eh nicht geben), aber die Internet-Insel bietet einige sehr große Vorteile. Sie liegt zentral zwischen Innenstadt und HafenCity, sie ist groß genug, um das internationale Scheinwerferlicht auf sich zu ziehen und sie bietet auf Grund ihrer Größe die Chance erfolgreiche große Unternehmen und Startups auf einem Campus zusammen arbeiten zu lassen und dabei auch noch eine interessante Infrastruktur bieten zu können.

Oder wo ist aus Eurer Sicht der ideale Standort für die digitale Wirtschaft in Hamburg?

Die Gespräche mit dem neuen Eigentümer der ehemaligen Spiegelgebäude finden Anfang September statt.

Anbei noch zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen zum gestrigen Abend…

Lars Hinrichs:
Hamburg@Work - we need a clear cut after 15 years. full stop, new management and a real reboot. only way to win the next 15 years

 

 

 

 

 

 

 

Hamburg@work:

Erfolgreicher Abend

 

 

 

  1. Georg E. MoellerGeorg E. Moeller08-22-2012

    Das Foto ist schön. Weil es die ganze Geschichte erzählt: Es sieht aus wie bei einer Papstaudienz und wenn man/frau genau hinguckt, weil man/frau immer genau hingucken soll, dann stellt man/frau fest: das Publikum ist weder wild, noch weiblich, noch jung, es ist grau, alt und männlich. Und genau das sind die ersten Merkmal bei abgebremsten Systemen, die sich so sehr mit dem eigenen Bremsverhalten beschäftigen müssen,dass sie nicht mal mitkriegen, wer sie da alles überholt.

    Georg grüßt

    • sarahsarah08-24-2012

      du sprichst mir aus dem Hirn, Georg. Und -ähm- Hamm und Horn schuf Gott im Zorn und nach Rothenburgsort schafft es mein Drahtesel nicht. Ziemlich an der Basis vorbei, würd ich sagen. Plus: Schnellere Zugverbindung nach Berlin? Das ist ja wohl eine der besten Verbindungen der Republik. Nach Hamm brauch ich von der Schanze fast halb so lang…

  2. manohla mourmanohla mour08-22-2012

    Hi! Gratuliere! Now would you people just get a move on? Warum dauert alles so lange in Deutschland? Wake up and smell the coffee…Also please be nice to us „Ausländers“ weil ohne uns könnt ihr ja niemals international ernst genommen werden!
    Let the Singaporeans or the Japanese or the Chinese plan, finance and build that Bullet train from Hamburg to Berlin! They are really much better than your own complicated companies and banks!
    Cheers and all the best!
    Manohla Mour

  3. Jan C. RodeJan C. Rode08-22-2012

    Nach der heutigen Meldung „IKEA will ganzen Stadtteil in HH bauen“ dürfte die Freude im Rathaus doch groß sein (http://bit.ly/PvXg9n) Das politische Interesse, für bisher noch als „Ab-vom-Schuß“-angesehene Stadtteile große Entwicklungsprojekte voranzubringen.

  4. Jan C. RodeJan C. Rode08-22-2012

    Nach der heutigen Meldung „IKEA will ganzen Stadtteil in HH bauen“ dürfte die Freude im Rathaus doch groß sein (http://bit.ly/PvXg9n) Das politische Interesse, für bisher noch als „Ab-vom-Schuß“-angesehene Stadtteile große Entwicklungsprojekte voranzubringen, ist groß.

  5. SebastianSebastian08-22-2012

    Ist der Ort innerhalb der Stadt wirklich so wichtig? Oder ist es nicht viel wichtiger, irgendwo endlich ein echtes Kompetenzzentrum von jungen IT-Unternehmen zu errichten, und sei es auf der grünen Wiese, wenn es dann nur schneller geht? Ich bin mir selbst nicht sicher. Doch vielleicht muss man in ganz andere Städte schauen, um einen Vergleich zu ziehen. So sind viele große osteuropäische Städte mit ihren ehemaligen Armutsvierteln gerade im Umbruch, eben weil sich dort eine junge Szene formiert hat. Diese Viertel verändern das komplette Gesicht und ihrer angrenzende Umgebung gleich mit. Irgendwann werden sie sich selbst untreu werden, aber in der Zeit bis dahin sind die Macher dieser Entwicklung beneidenswerte Pioniere. Ja, vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, einen Treffpunkt für Macher an einen der unmöglichsten Plätze zu setzen, den Hamburg oder Umgebung zu bieten hat (und ich meine damit ausdrücklich nicht explizit Wilhelmsburg!). Vielleicht verschenkt eine junge Internet-Initiative einen Teil ihres Charmes und ihrer Energie, wenn sie von vorne herein in eine Prestige-Gegend geht, statt selbst eine zu schaffen. Vielleicht aber sehe ich das auch einfach nur falsch. Ehrlich, ich weiß es nicht. Aber ich drücke die Daumen, dass das Projekt an Fahrt gewinnt, und sei es „janz weit draußen“.

  6. AlfonsoAlfonso08-22-2012

    Lars trifft es auf den Kopf. Beachtliche Leistung H@W 15 Jahre vorangebracht zu haben, aber nach der heutigen Positionierung zu urteilen wurden die letzten (paar) Web-Kurven verpasst…
    Eine attraktive Location, ein engagiertes Standort-Marketing Team und unkomplizierten Zugang zu den politischen Entscheidungstraegern, das sollte doch reichen als Mission Statement fur H@W 2.0…

  7. Ach ja… Und es wird geredet, geredet, geredet und geredet… Es ist ja schön und gut wenn wir als ‚Experten‘ und ‚Player‘ der Szene befragt werden und man sich für uns zu interessieren beginnt. Aber für uns Freelancer, StartUps usw. gilt immer noch die alte und allen bekannte Formel ZEIT = GELD. Wenn ich also einem Meeting mit oben benannten Personen sitze, dann investiere ich Zeit und das bedeutet nach dieser Formel eben auch Geld. Die Leute die mit uns das Gespräch suchen bekommen aber für ihre Arbeit ein Gehalt ausgezahlt und das macht die Sache kompliziert. Das alles wäre aber auch halb so wild, wenn mal sinnvolle Entscheidungen einfach getroffen werden würden. ENTSCHEIDUNGEN AUF KURZEN WEGEN TREFFEN = EINE SINNVOLLE INVESTITION IN DEN STANDORT HAMBURG. Das wäre doch mal eine Formel. Den je mehr Zeit verstreicht desto mehr der spannenden Player werden in Hamburg auch wieder von der Bildfläche verschwinden. Einfach weil sie es sich nicht leisten können noch länger zu bleiben…

  8. Jeremy AbbettJeremy Abbett08-24-2012

    Horn, Rothenburgsort und Wilhelmsburg…pretty hard to compare these with Shoreditch. That being said, there is no „ideale Standort für die digitale Wirtschaft“. With this manner of thinking everything will be separated from everything else;
    silos in a sea of Schrebergartens.

    We need to integrate not separate through incentives from the city and businesses where old and new can learn and profit from one another. It’s most definitely a mindset and one Hamburg will be hard-pressed to muster.

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